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August

Rückblick auf die Jahrhunderflut im August 2002 – Teil 2 geposted von admin

Heute könnt ihr die Fortsetzung unseres Interviews zur Jahrhunderflut 2002 lesen. In zwei Teilen berichten unsere langjährigen Teammitglieder von Jeanswelt Kerstin, Marlis und Roland, wie sie das Steigen der Freiberger Mulde und deren Ausmaß vor sieben Jahren mitbekommen haben.

Tom: Was habt ihr nach der Flut getan?
Kerstin: Das Wasser ist schon am Abend des 13. August 2002 zurückgegangen. Das Ausmaß der Flutkatastrophe wurde allmählich sichtbar. Am Tag darauf sollte jeder Mitarbeiter mit Gummistiefeln, Schaufel und etwas zu Essen zum Schlamm schaufeln kommen. Ich war erschüttert, was die eigentlich so friedliche Mulde angerichtet hatte. Es waren zum Teil Straßen weggespült wurden, Autos lagen kreuz und quer, der Schlamm lag bis zu einem halben Meter hoch und saugte einem förmlich die Schuhe von den Füßen. Es machte sich ein modriger Geruch in der Stadt breit.
Marlis: Der Weg zum Geschäft war ein Weg des Grauens. Die Schäden waren immens, das Geschäft selbst war total verwüstet und der Schlamm türmte sich. Als erstes wurde das ganze Gerümpel auf die Straßen geworfen, um Platz für das Schlammräumen zu schaffen. Es wurde gemunkelt, dass Leichen im Brückengeländer einer ca. 800m entfernten Brücke stecken würden, es stellte sich jedoch heraus, dass es nur Schaufensterpuppen waren.
Kerstin: Es kamen Leute aus ganz Deutschland nach Döbeln und fragten, ob sie uns helfen können. Da waren wir sehr erstaunt. Menschen die wir nicht einmal kannten boten in der ganzen Stadt ihre Hilfe an! Dieses Engagement half uns allen sehr. Es dauerte noch über zwei Wochen bis der ganze Unrat beseitigt war.
Marlis: Nach dieser Zeit war der größte Dreck beräumt und nun die bange Frage „Wie geht’s nun weiter?“. Kerstin meinte zu mir, wir müssen nach den Bestellungen bei Jeanswelt sehen. Außerdem wollten wir alle Kunden informieren und so arbeiteten wir zunächst von zu Hause aus. Nach einigen Tagen begannen wir im Obergeschoss mit dem Versand der Bestellungen – teilweise ohne Heizung, im Winter und mit großen Baulöchern in der Wand. Im März 2003 sind wir dann in das neue Büro und Lager in die Kleine Kirchgasse gezogen. Wir haben uns sehr über die großen Räume gefreut und genossen den Platz. Jeanswelt lief wieder richtig gut an. Ein halbes Jahr nach der Flut, im April 2003, wurde das dazugehörige Geschäft am Obermarkt wieder eröffnet.

Diese Flut war zwar verheerend und hat uns viel abverlangt, jedoch wir haben uns nicht unterkriegen lassen. Wir sind mit dieser Flut gewachsen und haben es geschafft, Jeanswelt ist wieder auferstanden.

Oberbrücke kurz nach der Flut mit angesammeltem Treibgut.

Die Oberbrücke kurz nach der Flut 2002 mit angesammeltem Treibgut.

Die Oberbrücke heute.

Die Oberbrücke heute.

Am Hintereingang vom Geschäft.

Am Hintereingang vom Geschäft kurz nach der Flut 2002.

Der Hintereingang heute.

Der Hintereingang heute.

August

Rückblick auf die Jahrhunderflut im August 2002 – Teil 1 geposted von admin

Heute jährt es sich zum siebenten Mal, dass Augusthochwasser in Döbeln. Unsere langjährigen Mitarbeiter Kerstin, Marlis und Roland, die sehr lange bei Jeanswelt dabei sind, blicken zurück und erzählen in zwei Beiträgen, wie sie diese Katastrophe miterlebt haben.

Es regnete bereits zwei Tage in Strömen. Das Wasser der Freiberger Mulde sollte einen neuen Höchststand von über 5,70m erreichen – ein Jahrtausendhochwasser. Am 12.08.2002 stieg die Freiberger Mulde schon bis zu ihren Grenzen. Es regnete immer weiter, die Wassermassen bahnten sich ihren Weg in Form einer Flutwelle aus dem Erzgebirge bis nach Döbeln.

Tom: Wie habt ihr das Ausmaß des Hochwassers bis dahin mitbekommen?
Roland: Gegen 16 Uhr sagte mir ein Kunde, dass die Mulde schon auf die 300m entfernte Ritterstraße getreten war. Ich dachte mir aber nichts weiter dabei, da die Mulde schon manchmal bei sehr hoher Wasserführung auf die Ritterstraße getreten war.
Kerstin: Ich habe das Ganze nicht wirklich war genommen, außer das es lange und stark regnete. Am Abend haben wir die ganze Ware im Geschäft etwa 15cm höher gehangen, falls doch etwas Wasser eintreten sollte. Dann sagte Herr Faustmann: „Fahrt nach Hause, in der Wappenhenschstraße [50m entfernt] steigt das Wasser schon an. Ihr habt doch dort geparkt. Rettet eure Autos!“

Marlis: Wie Kerstin habe ich das ansteigende Wasser gar nicht mitbekommen. Später hat mich dann Frau Faustmann nach Hause gefahren. Sie sagte: „Wenn das so weiter regnet, dann sind wir morgen alle arbeitslos.“ Ich meinte daraufhin „Ach Quatsch, das passiert schon nicht…“, unwissend, dass die Mulde bereits einige Straßen an sich gerissen hatte.
Tom: Roland, was hast du in dieser Zeit getan?
Roland:Währenddessen parkte ich mein Auto etwas weiter oberhalb, damit die Fluten es nicht an sich reißen konnten, was sich aber später als sinnlos herrausstellte. Als ich dann an die Oberbrücke kam, stand die Mulde kurz vor dem Übertreten. Die Feuerwehr war auch vor Ort und gab mir einige Sandsäcke für das 20m entfernte Geschäft. Ein Mieter im Haus sah mich und half mir auch gleich die Ladentür, die zur Mulde zeigte, mit Sandsäcken abzudichten. Es war nun schon gegen 20 Uhr und das Wasser der Mulde stieg sehr rasch. In kurzer Zeit stand das Wasser an der abgedichteten Tür 50cm hoch, sie hielt dicht. Dann ein Knall! Die Strömung riss die Tür weg und das Geschäft stand sofort unter Wasser. Ich versuchte über den Obermarkt nach Hause zu kommen, aber die Strömung war so stark, dass ich zurück gehen musste. In kürzester Zeit stand die Stadt bis zu 2,50m unter Wasser.
Kerstin: Eine Freundin sagte abends zu mir: „Weißt du schon was in der Stadt los ist?!“ Ich wusste anfangs gar nicht was sie meinte, doch dann war es mir klar. Am Abend gegen 21.00 Uhr wollte ich dann noch mal an der Oberbrücke schauen, wie hoch das Wasser schon gestiegen war, jedoch kam ich nur bis zum 200m davorliegenden Dresdner Platz – Absperrung! Ich bekam einen höllischen Schreck, als ich sah wie weit das Wasser bereits über die Ufer getreten war. Der Strom sowie das Leitungswasser wurden abgestellt. Man hörte noch die ganze Nacht das Wasserrauschen in der Stadt.
Marlis: Ich wusste am Abend nicht was in der Stadt los ist, aber ärgerte mich über den Stromausfall. Nie hatte ich erwartet, welches Ausmaß das Hochwasser schon angenommen hatte.

Kerstin: Ich kam in der dieser Nacht nicht zur Ruhe und versuchte daher herauszubekommen wie es in der Stadt aussah. Die Rettungskräfte waren die ganze Nacht im Einsatz um die Leute zu evakuieren.
Marlis: Am nächsten Morgen machte sich jeder für die Arbeit fertig und überlegte wie er halbwegs trockenen Fußes auf Arbeit kommt, bis wir realisierten, dass die ganze Stadt unter Wasser stand. Jeder stellte sich die Frage: „Wie es jetzt wohl im Geschäft aussieht?“

Die Fortsetzung des Interviews über die Jahrhundertflut ist morgen, den 13.08.2009, zu lesen.

Die Wappenhenschstraße ist komplett unter Wasser.

Die Wappenhenschstraße komplett unter Wasser.


Im Vordergrund sieht man das in "Sicherheit" bebrachte Auto und im Hintergrund das Hochwasser

Im Vordergrund sieht man das in "Sicherheit" gebrachte Auto und im Hintergrund das Hochwasser.

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